Bundeskadermaßnahme – Vergleichskämpfe 05. / 06. Februar 2021 am Bundesstützpunkt Nürnberg

Die Corona-Pandemie und der damit verbundene Lockdown ist gerade für die Sportvereine ziemlich bitter. Waren wir im Herbst noch recht hoffnungsvoll, da wir Ende Oktober noch unsere Gürtelprüfung durchführen konnten, hatte sich das im November wieder „erledigt“. Aufgrund stark steigender Infektionszahlen musste der Trainingsbetrieb eingestellt werden. Wann sich das wieder ändert ist aktuell nicht abzusehen.

Aufgrund der Ausnahmeregelung für Leistungssportler konnte wenigstens unsere Bundeskaderathletin Jasmin Richter sowie ihr Bruder Rico (Landeskader und zudem ein Haushalt) weitertrainieren. Doch ab Dezember war auch damit Schluss, da die Infektionszahlen in Thüringen immer weiter anstiegen. Umso überraschter waren wir, als der Europäische Taekwondo-Verband (WTE) gleich zu Beginn des Jahres öffentlich machte, dass im April die Europameisterschaft in Sofia stattfinden soll. Für den Deutschen Verband, die DTU, stellte sich nun die Frage, nach welchen Kriterien sollen Sportler ausgesucht bzw. nominiert werden, hatten doch alle Sportler*innen fast ein Jahr keine Wettkämpfe bestreiten können.

Es wurde schließlich eine Möglichkeit gefunden, nach der sich, die zu jetzigen Zeitpunkt Besten empfehlen konnten. Es war geplant, dass im Rahmen einer Bundeskadermaßnahme die, in den Ranglisten jeweils Führenden in einem Vergleichskampf gegeneinander antreten. Diese Maßnahme sollte bereits am 05./06. Februar 2021 am Bundestützpunkt in Nürnberg stattfinden. Unsere Bundeskaderathletin erhielt die Einladung zu dieser Maßnahme und freute sich natürlich darüber.

Doch nun war guter Rat teuer, denn zum einen war Jasmin trainingstechnisch gerade einmal in der Aufbauphase und zum anderen war eine sinnvolle Wettkampfvorbereitung nicht möglich, da wir nach wie vor nicht in unsere eigentlich Halle (Gymnasium Weida) durften. Zum Glück sorgte der Weidaer Sportamtsleiter Sven Müller dafür, dass wir mit der Bundeskader-Ausnahmeregelung die kommunale Kammerer-Sporthalle nutzen konnten. Nun hieß es, mit 3x Hallentraining wöchentlich, in vier Wochen einigermaßen bereit für einen Vergleichskampf zu sein. Das bedeutete für die Trainingsplanung, in so kurzer Zeit eine Steigerung von 50% auf 100% zu vollziehen. 

Aufgrund der Bedeutung, welche die Vergleichskämpfe hatten, war es erlaubt, dass die Heimtrainer bei der Maßnahme anwesend sein und ihre Kämpfer*innen coachen durften. Jedoch musste im Vorfeld von den Sportlern und deren Trainern sowie den zu diesem Event anwesenden Offiziellen der DTU ein PCR-Test gemacht werden, welcher negativ ausfallen sollte. Diese Hürde hatten wir genommen, so dass wir uns am 05. Februar nach Nürnberg begeben durften. Dort angekommen, wurde nun noch ein Schnelltest gemacht. Auch hier waren alle negativ getestet worden. Somit bestand ab diesem Zeitpunkt eine sogenannte „Blase“, die keiner der Beteiligten verlassen und auch niemand von außerhalb dazu kommen durfte. Die Waage durften die Sportler*innen auch erst nach dem negativen Testergebnis absolvieren. Aber das war dann wohl das kleinste Problem, denn alle hatten ihr Wettkampfgewicht.

Untergebracht waren alle Beteiligten im direkt neben dem Bundesstützpunkt befindlichen Hotel. Nach dem Abendessen saßen die Coaches noch einige Zeit zusammen, um sich nach langer Zeit im direkten Gespräch auszutauschen. Es war förmlich zu spüren, dass dies allen sehr gefehlt hat. Wie sich herausstellte, konnten die Bedingungen des Trainings unterschiedlicher nicht sein. Während in einem Bundesland sogar die Landeskaderathleten am Stützpunkt trainieren durften, konnten anderorts selbst die Bundeskaderathleten nicht vernünftig in einer Sporthalle trainieren. Schon aus diesem Grund durfte man gespannt sein, wie die Vergleichskämpfe am nächsten Tag laufen würden.

Zunächst mussten am Samstagmorgen alle Kämpfer*innen noch einmal über die „Zufallswaage“. Aber auch hier gab es keine Probleme. Bevor es einigermaßen pünktlich 9.00 Uhr losgehen konnte, gab es noch eine kleine Ansprache vom neuen Vizepräsident Leistungssport Jannis Dakos und einer darauffolgenden Kampfrichter- und Coachbesprechung. Der Ablauf war gut strukturiert, denn es waren feste Zeiten für die Kämpfe vorgesehen und jeder wusste, wann er oder sie an der Reihe war. Die Stimmung im Stützpunkt war sehr gut und harmonisch, auch wenn es bei den Kämpfen die ein oder andere Überraschung gab.

Jasmin war aufgrund ihrer Weltranglistenposition auf eins gesetzt und konnte sich den Vorkampf in ihrer Gewichtsklasse in Ruhe anschauen. Relativ locker machte sie sich warm und auch das Gefühl beim „Einkicken“ war ein gutes. Doch je näher der Zeitpunkt ihres Kampfes rückte umso angespannter wurde sie. Verständlich, denn weder sie noch ihr Coach wussten, wie die Situation auf der Fläche sein wird. Am Anfang lief es noch recht gut und der Kampf war ausgeglichen, wenngleich Jasmin mit 2 Punkten Rückstand in die erste Pause kam. Im weiteren Verlauf sollte sich jedoch zeigen, dass nach fast einem Jahr ohne Wettkampf die entsprechende Routine fehlte. Es mangelte weder an Kraft oder Schnelligkeit, auch die Ausdauer war kein Problem, vielmehr war Jasmin bei ihren Aktionen nicht nah genug an der Kontrahentin. Häufig verfehlten ihre Kicks nur knapp das Ziel. Letztendlich musste sie sich geschlagen geben. Natürlich war die Enttäuschung zunächst groß, jedoch wich diese nach und nach der realistischen Einschätzung, dass unter den Umständen der Vorbereitung bzw. den Trainingsmöglichkeiten zu diesem Zeitpunkt nicht mehr drin war. 

Bleibt zu hoffen, dass hoffentlich bald wieder das Vereinstraining in „unserer“ Halle möglich ist, um eine bessere Vorbereitung auf kommende Events zu haben. Taekwondo Team Weida