Rechtsextremismus im Sport

Während bei Begriffen wie Integration und Inklusion seit Jahren in der Öffentlichkeit intensiv über Erfolg und Misserfolg diskutiert wird und diese langsam zum alltäglichen Leben dazu gehören, ist Rechtsextremismus im Sport kein Problem – so die vorherrschende Meinung. Wer aber glaubt, Taekwondo sei von ganz allein eine integrative Sportart und dass es im Westen Deutschlands keinen Rechtsextremismus gibt, der irrt sich gewaltig.

 

Oder wer hätte gewusst, dass nach Dresden Dortmund die Stadt mit den meisten Rechtsextremen ist? Gerade hier wollten kurz nach den Europawahlen Rechtsextreme das Rathaus stürmen wollten und es werden Kampfsportvereine gegründet und geführt durch rechtsextreme Gruppen. Vor diesem Hintergrund ist eine Positionierung der Spitzenverbände bundesweit sinnvoll und vor allem zwingend notwendig.

 

Vertreter des DFB zum Beispiel signalisieren, dass Sie ohne Menschen mit Migrationshintergrund in den unteren Altersklassen kaum spielende Liga-Mannschaften zusammenbekommen und nehmen zeitgleich aktiv in Ihren Stadien, wie etwa dem des BVB 09, Stellung gegen Rechts.

 

Randsportarten wie Taekwondo müssen in vielen Regionen um Anerkennung und vor allem um die Existenz kämpfen. Sinkende Mitgliederzahlen, geringe Beachtung in der Öffentlichkeit, Konkurrenz durch andere Anbieter sorgen dafür. Gleichzeitig sind laut Verfassungsschutz besonders Kampfsportvereine aller Art interessant für rechtsextreme Gruppen und Ihre Strukturen. Vereinsübernahmen finden statt und eigene Vereine werden gegründet.

Da hier zwar die körperliche Ertüchtigung und das gesellige Zusammenleben ebenfalls im Vordergrund stehen, jedoch keine Graduierungen und sportliche Vergleiche ein Ziel im Rahmen des organisierten Sports sind, ist eine Mitgliedschaft innerhalb eines Landesverbandes der Deutschen Taekwondo Union für rechte Gruppierungen nicht interessant. Gleichzeitig finden Kinder und Jugendliche den Weg in diese sogenannten reinen „Deutschen“ Vereine und fehlen dabei im Sportverkehr und natürlich in den Mitgliederstatistiken der Taekwondo-Landesverbände und damit auch in der Deutschen Taekwondo Union. Zudem finden kulturell übergreifende Aktionen in diesen Vereinen kaum statt. Auf Vereinsebene merken Vorstände zum Teil erst spät, das es sich um politisch orientierte Mitglieder handelt, die hier etwas in die falsche Richtung bewegen und dadurch die örtlichen Vereine übernehmen.

 

Aber auch veraltete Satzungen, Ordnungen und Strukturen erleichtern den Zugang in die Sportvereine und erschweren gleichzeitig die Kündigung oder Ablehnung des Mitglieds. Der Deutsche Olympische Sportbund gibt in Broschüren Informationen darüber und in einigen Bundesländern gibt es mobile Teams, die sich gezielt auf das Themengebiet „Rechtsextremismus im Sport“ spezialisiert haben. Aber auch in der DTU gibt es engagierte ehrenamtliche Taekwondo-Sportler, die sich aufgrund ihres beruflichen Hintergrunds oder aus persönlichem Engagement mit dem Themengebiet intensiv beschäftigen und regelmäßig an Fortbildungen zu dem Thema teilnehmen. Frühzeitige Fortbildungen im Themengebiet des Rechtsextremismus und der Integration / Inklusion zum Teil mit externen Referenten wie zum Beispiel vom Verfassungsschutz sind sinnvoll und – an die Konzepte und Strukturen der Deutschen Taekwondo Union – angepasst, besonders notwendig. Taekwondo Sportler und Vorstände der Vereine/Landesverbände müssen das Rad nicht neu erfinden, jedoch sollten wir von Anfang an gemeinsam auf eine gute und regelmäßige adäquate Qualifizierung der Referenten und Trainer achten.

 

In den nächsten Jahren wird durch die Deutsche Taekwondo Jugend ein Konzept für die Vereine und Landesverbände erstellt, das, angepasst an die Vorgaben des DOSB und die aktuellen Informationen des Verfassungsschutz, als Vorlage für die Taekwondo Vereine der Deutschen Taekwondo Union dienen soll. Auch ein verbindliches Positionspapier soll hier kurzfristig verabschiedet werden. Zeitgleich wird das Netzwerk im Bereich des Rechtsextremismus erweitert und hier die Zusammenarbeit mit weiteren Partnern, zum Beispiel mit der Deutsche Sportjugend, weiter geführt.

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Text: Muhammed Kocer (Referat Interkulturelle Kommunikation / DTUJ)