Neujahrslehrgang und Prüfer- & Trainerweiterbildung 2014

Doppelt hält besser!

Neujahrslehrgang am 11. Januar 2014

Prüfer- und Trainerweiterbildung und Kadertraining Technik am 12. Januar 2014

– Ein Erfahrungsbericht –

Doppelt hält besser!

Der Abfall von Silvester war gerade erst frisch beseitigt und es war kaum Zeit, um Vorsätze für’s neue Jahr doch wieder über den „Haufen zu werfen“… und man bekam gleich die Gelegenheit, wenigstens einen guten Vorsatz in die Tat umzusetzen: Mehr Sport treiben! Oder konkreter: Etwas sein „Know how“ im Bereich Selbstverteidigung aufzufrischen bzw. an seinen Techniken und Formen zu feilen. Gera war wieder einmal – wie bereits oft in den Jahren zuvor – Veranstaltungsort für den Taekwondo-Neujahrslehrgang. Als Referenten kamen im Doppelpack Mathias Grün (7. Dan) – Mitautor DTU-Selbstverteidigungskonzept und Landesprüfungsreferent Schleswig-Holstein – sowie Martin Paust (5. Dan) – ehemals Bundeskader Technik, Europameister und ehemaliger Landestrainer Technik Schleswig-Holstein. Der ausrichtende Verein TSV 1860 Gera-Zwötzen war selbst ein wenig überrascht von der Resonanz und schaffte es noch kurzerhand den Lehrgang in die größere Panndorfhalle zu verlegen… und so gab es im wahrsten Sinne des Wortes genug Raum, für all dies was an diesem Tag von dem eingeladenen erfahrenen Doppel-Team so geboten wurde.

 

Doppelt fällt besser!

Nach einer gemeinsamen Erwärmung standen insgesamt fünf Trainingseinheiten zur Verfügung, wo man sich jeweils für eine der Disziplinen Hosinsul oder Poomsae entscheiden konnte. Am Anfang standen jeweils Basis-Übungen auf dem Plan. Ich entschied mich für den Part Selbstverteidigung: Hier konnte man zunächst insbesondere als Trainer hilfreiche Anregungen für die Erwärmung und Einstiegsübungen mitnehmen; anschließend ging es durch die verschiedenen Distanzen der Verteidigung. Hierbei durfte man auch – wenn man das Glück hatte, mit Mathias vorzuführen – die verschiedenen Distanzen aus dem bis dahin vermeintlich sicheren Stand bis zum Boden selbst erleben. Oder anders ausgedrückt: Mancher zahlt viele Euro pro Monat für’s Fitness-Studio, um mal wieder „seinen Körper zu spüren“ – hier hatte man für deutlich weniger Geld das gleiche Erlebnis.

Die nächste Einheit war den methodischen Grundlagen gewidmet; ich blieb noch bei der Selbstverteidigung. In diesem Part versuchte Mathias gemeinsame Strukturen verschiedener Angriffe (mit und ohne Waffen) herauszuarbeiten und damit auch gleiche Grundideen der Verteidigung zu entwickeln – dieser Teil war daher wieder nicht nur für Sportler, sondern besonders auch für Trainer interessant. So konnte man neben blauen Flecken auch einen roten Faden (ganz im Sinne von Um und Yang) für das eigene Training mitnehmen.

 

Doppelt gefällt besser!

Nach der Mittagspause verbrachte ich die zweite Hälfte des Lehrgangs im Bereich Poomsae. Zunächst stand das Thema „Kicks“ auf dem Programm – neben einigen methodischen Tipps zum Training, standen die wesentlichen Tritte der Formen im Fokus… voran vor allem der Seitwärtsfußtritt und zwar so gut, dass die Schulter dabei zuschauen kann (Insidertrick!). Jedenfalls gab’s durch diesen Teil – passend zum Namen – den richtigen „Kick“ für den Nachmittag des Lehrgangs.

Anschließend betrat man den Bereich „Präsentation“ – nach ein paar kleinen Einblicken in die „Erfahrungsschatztruhe“ von Martin, stand im Mittelpunkt der Einheit eine jeweils von den Teilnehmern ausgesuchte Form, in der man sich einmal so richtig „präsentativ“ austoben konnte. Man trainierte partnerweise, versuchte sich an verschiedenen Interpretationsformen der ausgewählten Poomsae und gab sich gegenseitig Tipps; zwischendurch wechselte Martin zwischen den einzelnen Gruppen… und kein Fehler und keine noch so kleine Ungenauigkeit entging seinen „Scan“-Augen – intensiver hat man eine Form wahrscheinlich bislang selten selbst analysiert.

Apropos „intensiv“ – der letzte Part war ausschließlich der 10. Form gewidmet; eine Poomsae, um die man gerne einen Bogen macht, weil man bei ihr vieles falsch und kaum etwas richtig gut machen kann. Damit ersteres möglichst wenig passiert und letzteres so viel wie möglich klappt, wurden verschiedene Methoden beleuchtet, um aus den wackeligen Steh- und Drehbewegungen knackige Blickfänger zu machen. Mit diesem guten Gefühl – an diesem Tag wenigstens einen kleinen Teil der Welt besser gemacht zu haben… nämlich sich selbst – ging dieser gelungene Lehrgangstag zu Ende.

 

Doppelt erzählt besser!

Doch damit nicht genug: Es gab die doppelte Dosis – denn am Sonntag ging es unmittelbar weiter. Es war zur gemeinsamen Prüfer- und Trainerweiterbildung geladen mit dem Thema „Bewertung von Prüfungsleistung – aus Prüfer- und aus Trainersicht“. Referent war wieder Mathias Grün und was er am Vortag an Praxis auf den Turnhallenboden – im wahrsten Sinne des Wortes – hingelegt hatte, überzeugte an diesem Tag an theoretisch fundiertem „Knoff hoff“ rund um Bewertung im Sport, aber auch allgemein im Leben. Behandelt wurden die vier wesentlichen Prüfungsdisziplinen Einschrittkampf, Selbstverteidigung, Freikampf und Formen in praktischer und theoretischer Hinsicht.

Die Mischung aus Theorie und Praxis sah folgendermaßen aus: Zwei Sportler zeigten jeweils zu den Disziplinen ihr Prüfungsprogramm und wurden hierbei gefilmt; anschließend sollten sie – zunächst gewissermaßen aus der „Kalten“ – von den Teilnehmern bewertet werden. Danach präsentierte Mathias die jeweiligen Kriterien für die Bewertung des Prüfungsfachs ausführlich, aber dennoch kurzweilig durch seine ihm ganz eigene rhetorische Note. Zum Abgleich wurde im Anschluss nochmals die gefilmte Darbietung der beiden Sportler gezeigt und manch einer sah seine Bewertung schließlich mit neuen, anderen Augen. Jedenfalls lässt sich zusammenfassend sagen, dass der Lehrgang ein gelungener Beitrag für Prüfer und für Trainer war, seinen Bewertungsmaßstab „einzunorden“… wie passend, dass der Referent aus genau dieser Himmelsrichtung kam…

 

Doppelt quält besser!

Nicht zu vergessen, dass sich auch Martin Paust am Sonntag noch die Zeit genommen hat, sich ausgiebig dem erst frisch gegründeten Landeskader Technik für ein Extra-Training in der gleichen Sporthalle zu widmen. Ein Raumtrenner versperrte zwar die Sicht auf die parallelen Geschehnisse, aber schon das, was man hörte, ließ merken, dass hier ernsthaft zur Sache gegangen wurde und es für die angehenden „Technik-Experten“ jedenfalls kein Kuschelkurs war. Kurz bekam man doch auch noch etwas zu sehen, da im Rahmen der Prüfer- und Trainerweiterbildung in der Disziplin Poomsae eine Kader-Sportlerin eine Form zum Vergleich präsentierte… das was man hier nur als kurzen optischen Happen erblickte, lässt erahnen, dass hier zukünftig durchaus noch einiges zu erwarten ist – ein Dankeschön an Martin, der seinen kleinen Beitrag hierzu leistete.

 

Text: Andreas Herzog