„Kampfrichter-Ausbildung mal andersrum“

Normalerweise kommt bei einer Ausbildung vor der Praxis ersteinmal die Theorie. Wir haben es diemal anders herum probiert – mit Erfolg. Natürlich müssen hierfür die Vorraussetzungen stimmen. In unserem Fall hieß das: intensives Vorabstudium des Regelwerks (u.a. auch um den Einstiegstest zu bestehen) und konkrete Sport- und Turniererfahrung im Technikbereich.

Grund für die Theorie-Praxis-Umkehr war die Überlegung, dass gerade im recht komplexen Technikbereich, reines Theoriewissen nichts nützt, sondern hier vielmehr der Bezug zur Praxis elementar ist. Sonst hat man zwar viel Wissen, weis es aber in der Praxis nicht anzuwenden. Eine tiefergehendes Verständnisses entsteht meist erst durch den unmittelbaren Praxisbezug.

Grundvorraussetzung war daher für alle Lizenzanwärter die vollständige Kenntnis, des aktuellen Regelwerks, aller Bewertungskriterien und Keypoints.
Zur Berliner Technik-Meisterschaft stand dann die erste Praxisbewährung an – gecoacht und begleitet von erfahrenen Bundeskampfrichtern. Zuerst als „Field-Coordinator“, dann als Co-Punktrichter im Wertungsbereich und später auch – je nach individueller Leistung – im regulären (weiterhin begleiteten) Einsatz.. Auf unsere beiden Lizenzanwärter traf das genauso zu, beide wurden aufgrund ihrer guten Wertungseinschätzung von ihren Teamleitern gelobt und nach der Halbzeit regulär als Punktrichter eingesetzt.

Zur Theorie-Einheit am Folgetag wurde das Regelwerk, die Bewertungskriterien, der Kreativbereich anhand der Praxiserfahrungen aufgearbeitet. Statt langweiligen Theorievortrag, lebhafte Diskussion – man wusste von was man sprach und hatte ganz konkrete Fragen. Nach Software, Turnierorganisation und Videoanalyse ging es dann in die Halle zur Überprüfung der eigenen Formenpraxis. Denn wer als Kampfrichter andere bewerten möchte, sollte wissen von was er spricht bzw. was er gerade sieht. Es ist unabdingbar, dass man die zu wertenden Formen selbst laufen kann und auch verstanden hat. Für den KR-Bereich auf Landesebene ist dies bis zur Poomsae 11 bzw. 13 Pflicht. Mit zahlreichen Durchläufen, Videoanalyse und Wertungsgesprächen, wurden Schwachpunkte und Fehlerquellen bearbeitet.

Kurz nach 16:00 Uhr war es dann geschafft, nach einer kleinen Feedbackrunde wurden die Ergebnisse des morgendlichen Einstiegstests bekanntgegeben, welcher nahezu durchweg überraschend gut abgeschlossen wurde. Danach gab es die begeehrten Zertifikate über Aus- bzw. Weiterbildung. Die Umkehr der Theorie-Praxis-Reihenfolge wurde von den Teilnehmern, trotz anfänglicher Skepsis, als gut bewertet. Insebsondere die Bewertungskriterien erschienen weniger abstrakt, da die Teilnehmer ihnen klare Bilder aus erlebter Praxis zuordnen konnten.