„Freestyle“ Disziplin ohne Regelwerk

Bundeskampfrichter-Lehrgang Technik am 24.-25.08. in Duisburg 

Freestyle ist die neue Disziplin in der Poomsae-Szene. Eingeführt zur Weltmeisterschaft in Kolumbien (Dez.2012), danach erstmals in Europa zur German Open Technik (kurz darauf auch zum RLT-Süd, wo einer der Autoren selbst werten durfte) und nun ganz aktuell die „Präsentations-Disziplin“ schlechthin zur Europameisterschaft in den Niederlanden. Gespickt mit reichlich Pflicht-, Kür-, Wettkampf- und Akrobatik-Elementen ist die 60-70ig-sekündige Musik-Performance derzeit das wohl ansprechendste und zugleich explosivste was der oft (zu Unrecht) als langweilig verschriene Formenbereich zu bieten hat. Hier ist man definitiv auf dem richtigen Weg – und wer weiß, vielleicht findet der Technikbereich ja doch irgendwann den Weg nach Olympia.BKR Lehrgang Technik 2013 - Theorie

Was hat das alles mit dem Lehrgang für die deutschen Bundeskampfrichter zu tun? Sehr viel. „Freestyle is very cool!“ – die Bewertung dagegen leider gar nicht. Ist die Bewertung im höheren Leistungsbereich so schon eine sehr anstrengende Sache, welche absolute Konzentration, detaillierte Regelkenntnis und deren Anwendung hinsichtlich der Keypoints und des aktuellen Laufstils erfordert, so ist der Freestyle-Bereich durch viele subjektive Kriterien ungleich schwerer zu bewerten. Und das Beste daran: es gibt bisher kein offizielles internationales Regelwerk seitens der WTF. Nicht ohne Grund orientieren sich daher die meisten europäischen Länder an dem deutschen Freestyle-Entwurf. Und genau der war dann auch vertiefend Gegenstand der BKR-Qualifizierung am ersten Lehrgangstag. Referiert wurde dieser gewohnt kurzweilig und detailliert von DTU-Bundes-kampfrichterreferent Rainer Tobias (seit 2013 auch ETU Referee-ViceChairman Poomsae).

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Während der gemeinsamen zuweilen kritischen Durcharbeitung wurden auch gleich einige Ungereimtheiten beseitigt und Formulierungen im Regelwerk klargestellt. Danach fand die praktische Bewertung anhand der brandaktuellen Europameisterschafts-Freestyles per Video statt. Hier war hohe Konzentration und viel Aufmerksamkeit gefragt, um wirklich alles zu erfassen – und dennoch: gerade schwierige Passagen war dabei erst nach mehrmaligen Replay klar erkennbar. So etwa, ob der Spinkick nun tatsächlich nach den Regelvorgaben als 360°, 540° oder 720° Sprung gezeigt wurde oder aber ob die Anzahl der bis zu 5 geforderten ApChagis in einer Sprungtechnik wirklich vorhanden waren (selbstverständlich dabei über Gürtel getreten und einer Mindestbeinstreckung von 80%). Auch der geforderte Sprung-YopChagi hat seine Bewertungstücken, hier ist nämlich die Mittellinie zwischen kickendem und angezogenen Fuß ausschlaggebend für die letztliche Höhenbestimmung und die abgestufte Bepunktung von 0,1-0,3 Punkten.

Am zweiten Tag standen wir mit über 40 Kampfrichter-Kollegen traditionsgemäß in der Halle um uns einen ganzen Tag lang selbst zu betätigen. Auf dem Programm: die Wettkampf Formen 4-16, welche von allen Bundeskampfrichter auch praktisch beherrscht werden müssen. Auch Landeskampfrichter sollten die Formen bis zur Poomsae 11, besser bis zur 13 bewerten können – hohe Anforderungen also. Referiert wurde die Praxiseinheit durch unseren neuen Bundestrainer Hado Yun – in einer absolut angenehmen, kompetenten und zielgerichteten Form. Hier ging es dabei nicht um das „Formen-Erlernen“, sondern um kleinste Details der aktuellsten Ausführung und Präsentation. Erfreuliche Erkenntnis: das Technik-Team-Thüringen ist nach aktuellem Trainingsstand hinsichtlich KeyPoints, Technikausführung und Stil, auf gutem Weg und up-to-Date. Die „RoleModels“ für Technik und Stil, so erläuterte der Bundestrainer, sind für den Nationalkader vor allem die koreanischen WM-Starter / Medaillengewinner, da von diesen am ehesten zukünftige Trends ableitbar sind.

Zum Schluss bleibt noch zu sagen: Auch wenn die Prüfung zum Bundeskampfrichter nicht alle geschafft haben, war der diesjährige Lehrgang wirklich der Hammer – es stellte sich tatsächlich ein Gefühl der „Qualifizierung“ ein. Wir haben viel mitgenommen und es war einfach toll, vielen Kampfrichterkollegen wieder zu begegnen und sich auszutauschen. Schade, dass hinsichtlich der Beteiligung dies offensichtlich nicht von allen so geteilt wird.

LG2013Auf unserer Kampfrichter-Website: trt-referees.jimdo.com findet ihr neben den 2013er Regelwerk zusätzlich Unterlagen hinsichtlich der aktuellen Technik-Bewertung: KeyPoints, Timetable, Stomping & Kihap, Field-Coordinator Card, JurysPaper sowie den Entwurfsversion des Freestyle-Regelwerks inkl. neuem JurysPaper für die aktuelle deutsche/europäische Anwendung. Ebenso kann über uns die aktuellen Referenzvideos für die Wettkampfformen 4-16 sowie Freestyles (WM2012 / EM2013) angefragt werden. trt-referees ist auch über Facebook erreichbar – schaut einfach immer mal vorbei.

 

Text & Bild: Stev Brauner und Sebastian Winter