Ehrennadel der DTU in Bronze

René Richter im Interview

Am 19. Oktober wurde René Richter von der DTU mit der Ehrennadel in Bronze ausgezeichnet – ein willkommener Anlass für ein Gespräch mit dem engagierten Trainer und Ex-Präsidenten der Taekwondo Union Thüringen (TUT).

 

TA: Herr Richter, was bedeutet Ihnen die Ehrung durch die Deutsche Taekwondo Union (DTU)?rene

René Richter: Sehr viel, vor allem weil sie vom Bundesverband kommt und eine Würdigung meiner siebenjährigen Tätigkeit als Präsident der TUT ist. Meines Wissens bin ich sogar der erste Funktionär aus Thüringen, der von der DTU ausgezeichnet wurde.

TA: Wenn Sie auf Ihre Zeit als Landespräsident zurück blicken – worauf sind Sie persönlich stolz?

René Richter: Darauf, dass es mir mit meinen Vorstands-Kollegen gelungen ist, Thüringen im deutschen Taekwondo ein Gesicht zu geben. Die erste DTU-Mitgliederversammlung, an der ich als Präsident teilnahm, war 2006. Nach und nach begann man, die TUT mit meiner Person zu verbinden. Ich konnte einen guten Draht zum Bundesverband und zu anderen Landesverbänden aufbauen. Wir sind ja ein recht kleiner Verband mit nur einer Stimme bei den DTU-Mitgliederversammlungen. Trotzdem konnten wir zu Diskussionen beitragen und wurden gehört. Das war für mich ein Erfolgserlebnis. Stolz bin ich außerdem auf den Keltencup, der viele Gäste nach Thüringen lockte und den wir zum Bundesranglistenturnier aufbauten. Leider gibt es dieses Turnier nun nicht mehr. Persönlich war ich ja nicht nur Funktionär, sondern war und bin auch als Trainer aktiv. In dieser Eigenschaft war es mir wichtig, den Leistungssport voranzubringen, zum Beispiel durch Kontakte zu den Bundestrainern. In diesem Jahr trug diese Arbeit Früchte und Thüringen konnte erstmals zwei deutsche Meistertitel bei den Kadetten erkämpfen, im Technik und im Vollkontaktbereich – auch das macht mich stolz.

TA: Wie kam es eigentlich, dass Sie Präsident der TUT wurden?

René Richter: 2002 trat mein Vorgänger zurück. Übergangsweise sprang dann ein Sportler aus meinem Verein als Präsident ein, der das Amt aber nicht dauerhaft übernehmen wollte. Für die Wahlen 2005 begann dann Stev Brauner, der schon im Verband aktiv war, mich zu motivieren, doch als Präsident zu kandidieren. Selbst hatte ich damals noch keine Erfahrung in der Vorstandsarbeit eines Landesverbandes, ich betrat völliges Neuland.

TA: Wie starteten sie in Ihr neues Amt?

René Richter: Im Team mit Stev Brauner war es mein vorrangiges Ziel, dass der Taekwondo-Sport sich in Thüringen professionell entwickelt. Dafür bildeten wir uns weiter: Stev konzentrierte sich auf seine Kampfrichterausbildung, ich machte die Trainer-A-Lizenz. So waren wir gut gewappnet, den Leistungssport und die Turniere bei uns im Landesverband zu unterstützen und zu fördern. Dabei legten wir von Anfang an ein schnelles Tempo vor – was sich im Nachhinein als Problem erwies, nicht alle unserer Thüringer Vorstandskollegen waren bereit, uns dabei zu folgen und es kam zu Meinungsverschiedenheiten. Stattdessen knüpften wir Kontakte zu unseren Nachbarn, zum Beispiel zur Taekwondo Union Sachsen (TUS). Die TUS und die TUT kooperierten im Kampfrichterbereich, wir sprachen unsere Termine ab und veranstalteten Ländervergleichskämpfe. Das alles wird nun leider nicht mehr gepflegt. Auch die Thüringer Landesmeisterschaft Technik wurde in diesem Jahr abgesagt, zum Leidwesen aller Sportler, die sich darauf vorbereitet hatten. Es ist schade zu sehen, wie Dinge, für die man sich engagiert hat, auf der Strecke bleiben.

TA: Sie sind vom Amt des TUT-Präsidenten zurück getreten und haben sich bei der Neuwahl in diesem Jahr nicht mehr zur Wahl gestellt. Haben Sie mit dem Gedanken gespielt, sich ganz vom Taekwondo zurück zu ziehen?

René Richter: Nein, nie. Mein Verein läuft ja nach wie vor sehr gut.

TA: Woraus ziehen Sie Ihre Motivation?

René Richter: Im Osten Deutschlands ist es leider so, dass die allermeisten Sportler nach dem Schulabschluss den Verein und den Wohnort verlassen. Das bedeutet, dass wir ständig Sportler verlieren, darunter auch junge Danträger und Trainer. Bisher ist nur ein einziger später wieder zurückgekommen. Das ist schwierig für uns, aber es ist eben ein demografischer Faktor, den wir nicht ändern können. Stattdessen müssen wir beständig Nachwuchs aufbauen. Die schönste Bestätigung ist es für mich, wenn Eltern von Vereins-Kindern zu mir kommen und mir sagen, dass ihre Kinder vom Taekwondo viel profitieren. Meine Tochter wird hoffentlich den Sprung in den Bundeskader schaffen und wir trainieren deshalb täglich, auch zu Hause – ein Trainingspensum, das der Verein allein gar nicht leisten könnte. Auch das ist eine große Motivation. Es ist toll zu sehen, wenn man etwas richtig macht und ein Ziel erreicht und es ist toll, wenn man das gemeinsam mit anderen macht, die für das gleiche einstehen. Und schließlich kann man ja auch als Mitglied in einem Landesverband einiges bewegen: Unser Verein kann jetzt zum Beispiel Anträge zur Mitgliederversammlung einbringen, ohne dass es gleich heißt, der Präsident will über seinen Verein etwas gegen den Vorstand durchsetzen!

TA: Wären Sie in Zukunft bereit, auch wieder ein Amt im Landesverband zu übernehmen?

René Richter: Ja, wenn die Missverständnisse ausgeräumt sind, die zu meinem Rückzug von der Verbandsspitze geführt haben, bin ich sehr gerne bereit wieder für die TUT aktiv zu werden. Ich würde gerne wieder da anknüpfen, wo wir seinerzeit aufgehört haben.

TA: Herzlichen Dank für dieses Gespräch.

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 Bericht und Bild: Sibylle Maier