Deutsche Meisterschaft Jugend und Senioren

Was sich die DTU als Veranstalter der Deutschen Meisterschaften bei der diesjährigen Terminfindung gedacht hat, wird wohl deren Geheimnis bleiben. Als ob der März mit 3 nah beienanderliegenden WT G-Turnieren nicht schon voll genug wäre, wurde die Meisterschaft in Nürnberg an dem eigentlich freien Wochenende zwischen der Belgian und der German Open durchgeführt. Weiterer „negativer“ Punkt, die Kämpfe sollten mit dem KP&P System ausgetragen werden. Dazu muss man wissen, dass dieses System aktuell kaum noch zum Einsatz kommt.

Zur Registration / Waage am Freitag waren wir sehr pünktlich, hätten uns jedoch Zeit lassen können, da diese fast mit 1h Verspätung losging. Dies sollte allerdings nicht das einzige Ärgernis bleiben, denn als wir am Samstag früh in die Halle kamen, wähnten wit uns auf einer bayrischen Meisterschaft, es waren nur Banner der BTU zu sehen. Einen Aufwärmbereich suchten wir vergebens, es gab schlichtweg keinen und so mussten sich die Sportler in den Gängen bzw. Vorräumen auf hartem Steinboden aufwärmen. Alles keine besonders guten Voraussetzungen und auch einer Deutschen Meisterschaft nicht würdig.

Doch nun zum sportlichen Teil. Am Sonnabend wurden die Meistertitel in den Damen und Herren Klassen vergeben. Leider war die Zahl der Starter relativ überschaubar. In der Klasse von Jasmin Richter, Damen -57kg waren ursprünglich 15 Sportlerinnen gemeldet, davon blieben zum Wettkampf noch 10 übrig. Jasmin startete mit der Kampfnummer 313 in die Meisterschaft. Die Gegnerin hieß Mona Afsharian vom Sportwerk Düsseldorf. Jasmin begann den Kampf sehr motiviert, musste aber schon bald merken, dass die KP&P-Technik nicht so reagierte, wie das mittlerweile gewohnte PSS von Daedo. Trotzdem ging sie in Führung. In der Folge führte Jasmin den Kampf sicher und versuchte immer wieder zu punkten. Leider lösten auch die Kopfschützer nicht wie gewohnt aus. So ging der Kampf trotz klarer Überlegenheit von Jasmin über die volle Rundenzahl und endete mit 16:0 Punkten. Damit war das Halbfinale erreicht. Im Kampf Nummer 325 durfte Jasmin nun gegen Vanessa Beckstein vom SV Nennslingen antreten. Vanessa startete im letzten Jahr noch in der Jugend und kann auf zahlreiche Erfolge verweisen. Unter anderem ist sie Jungendeuropameisterin und nahm an der Jugendolympiade teil. Mit entsprechendem Respekt voreinander gingen Beide in den Kampf. Trotz schöner Aktionen kamen keine Treffer zustande und die erste Runde endete 1:1. Ein ähnliches Bild in Runde 2, wieder keine Punkte, obwohl beide immer wieder angriffen. Zum einen löste die Technik nicht aus und zum anderen war die Blockarbeit recht gut. Da sich dies in der letzten Runde wiederholte, musste dann die „Golden Round“ die Entscheidung bringen. Jasmin hatte mehr Hits zu verzeichnen und so setzte Vanessa kurz vor Schluss alles auf eine Karte, erhielt jedoch für den Bodenkontakt nach dem Drehkickversuch einen Gam-jon. Jasmin hatte in einem spannenden Kampf das Finale erreicht.

Hier stand ihr nun Isabel Beckstein, die Schwester von Vanessa gegenüber. Motiviert ging Jasmin in die Begegnung und auch in Führung. Zur 1. Pause kam sie mit einem 4:0 Vorsprung. Dass Isabel alles versuchen würde, wieder heran zu kommen, war natrülich klar. Dennoch konnte Jasmin die 2. Runde mit einem 5:4 Punkte Vorsprung beenden. Einen Augenblick der Unachtsamkeit von Jasmin nutzte Isabel und brachte einen Dwit-Chagi ins Ziel. Die Führung war dahin und auch ein Kopftreffer gegen die Nennslingerin half dann nicht mehr. Es war an dem Tag definitiv mehr möglich, aber mit dem Vizemeistertitel sollte man nicht unzufrieden sein.

Am nächsten Tag war die Jugend und damit unser 2. Starter, Rico Richter an der Reihe. In dessen Klasse -68kg wollten 13 Kämpfer um den Titel kämpfen. Rico hatte mal wieder „Losglück“ und durfte mit der Nummer 401 gleich den ersten Kampf bestreiten. Gegner war Heinrich Lucas Tabler vom Berliner Verein Pyongwon Marzahn. Man merkte, dass Rico seit längerem nicht mehr auf einem Turnier gekämpft hatte, denn er tat sich recht schwer und musste gar einem Rückstand „hinterher laufen“. Ab Runde 2 wurde es besser, so dass der Punktestand zumindest einmal ausgeglichen war. In der letzten Runde zeigte Rico in einigen Aktionen, was er eigentlich kann und verschaffte sich damit einen sicheren Vorsprung. Letztendlich reichte es zum Sieg mit 18:12 Punkten.

Im Viertelfinale stand ihm mit Taha Ünverdi vom SV Jahn Solingen, nun ein Kämpfer der NWTU gegenüber. Der Verlauf des Kampfes war ähnlich wie zuvor, wobei sich hier das mangelhafte KP&P System drastischer auswirkte. Zahlreiche kurze Kicks, die klar auf der Weste waren, erzielten keine Wertung. Der Gegner hingegen hatte da etwas mehr Glück, so dass Rico wieder in Rückstand geriet. In der letzten Runde drehte er dann auf, doch gegen eine sehr schlecht funtionierende Technik war er quasi machtlos. Ein schöner Kick zum Kopf, bei dem der Fuß gefühlt 6-7 Sekunden am Kopfschutz des Gegners war und diesen fast nach unten zog, führte nicht einmal zu einer Anzeige. Ein Drehkick, der ebenfalls klar am Kopfschutz landete, brachte auch keine Wertung. Letztendlich musste sich Rico mit 5:9 geschlagen geben, obwohl er eindeutig besser war. Auf diese Weise eine Medaille zu „verpassen“ ist natürlich besonders bitter.

Leider war dies an dem Wochenende kein Einzelfall, wie uns auch unsere beiden Referees Sebastian Winter und Stev Brauner bestätigten. Schade, denn in den Fällen hat die Technik den Wettbewerb klar verzerrt.

 

Taekwondo Team Weida