A dream comes true … Zwei Thüringer erfüllen sich einen Traum!

Gut zwei Monate sind nun bereits vergangen, seit dem Stev Brauner (ASC Ronneburg e.V.) und Sebastian Müller (TUS Osterburg 90 Weida e.V.) nach wochenlangem hoffen und bangen, endlich die Teilnahme-bestätigung für das „75te WTF International Referee Seminar“ der World Taekwondo Federation (WTF) im österreichischen Innsbruck ausfüllen durften. Bis dorthin war es ein langer und beschwerlicher Weg den die beiden Ostthüringer zu absolvieren hatten. So mussten sie sich zuerst als Landeskampfrichter für Thüringen beweisen um darauffolgend die nächste Stufe des Kampfrichterwesens zu passieren – der Bundeskampfrichter. Nachdem beide sich nach hoher Einsatzbereitschaft und viel Ehrenamtlichen Engagement über mehr als zehn Jahre bis in das TOP-Team der deutschen Kampfrichter vorgearbeitet hatten, war es ihnen endlich erlaubt die letzte und höchste Stufe des KR seins zu erklimmen den International Referee, welcher es ihnen durchaus auch ermöglichen könnte irgendwann bei einer Olympiade eingesetzt zu werden.

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Weida (Thüringen) 8:00 Uhr morgens, es regnet leicht bei 7°C, nach wochenlanger Planung und Vorbereitung ist es nun endlich soweit zwei Weidaer samt Familie starten ihr Projekt mit dem erklärten Ziel am Ende als International Referees nachhause zurück zu kehren. Nach mehr als sieben Stunden Fahrt bei nahezu durchgehendem Regen bis zur Österreichischen Grenze kamen die beiden Weidaer endlich im bis dahin noch sonnigen Innsbruck, besser gesagt in Axams einem kleinen Vorort ca. 15 min von Innsbruck entfernt in einer wunderschönen kleinen Ferienwohnung an. Mit den letzten Sonnenstrahlen eines wunderschönen Sonnen-untergangs im Haus konnte man die letzten Stunden vor Beginn des Lehrgangs noch einmal genießen.

A dream comes true03Am nächsten Morgen ging es pünktlich um 9 Uhr in einem Seminarraum der Wasserkraft Arena Innsbruck endlich los. Circa 50 Teilnehmer aus aller Herren Länder hatte sich zum Ziel gesetzt die IR-Lizenz zu erhalten. Doch zuvor hieß es noch schnell die Doboks anlegen, denn der komplette Lehrgang bestehend aus Theorie und Praxis wurde im Dobok absolviert. Dann ging es auch schon los, nach einer kurzen Einführungseinheit bei der allgemeine Sachen erklärt und geklärt wurden begann Mr. Chakir persönlich mit dem direkten Einstieg in das Englische Wettkampfregelwerk. Stück für Stück arbeiteten wir uns sehr ausführlich durch die einzelnen Paragraphen und deren Auslegung in speziellen Situationen. Beindruckend belegte unser Seminarleiter jeden einzelnen dieser Punkte mit anschaulichen Beispielen aus seinen umfangreichen Erlebnissen. Nachdem ein Großteil des Regelwerkes abgearbeitet wurde hieß es nach sechs Stunden Theorie endlich die von uns ersehnte Praxiseinheit anzugehen. In rund zwei Stunden hatten wir nun ausgiebig Zeit auch die noch so kleinsten Details der Handsignals zu erlernen und zu üben. Am Ende des Tages hieß es dann noch einmal kurz den Seminarraum aufsuchen um offen gebliebene Frage zu klären, um dann in den wohlverdienten Feierabend gehen zu können.

Auch am zweiten Tag des Lehrgangs hieß es wieder pünktlich 9:00 Uhr beginnen, diesmal jedoch mit den am Vortag noch außen vorgelassenen Referees die bereits eine IR-Lizenz besaßen. Die Beson-derheit bestand darin, dass das Seminar für diese auch gleichzeitig Refresher-Course war. Im Vergleich zum Vortag, waren wir nun mit rund 150 Teilnehmern, eine deutlich größere Gruppe, welche aufmerksam den Worten des WTF-Chairman Kyorugi lauschten. Wie schon am ersten Tag arbeiteten wir uns wieder durch das bestehende WTF-Regelwerk, diesmal jedoch im Schnellverfahren (war ja bereits am Vortag abgehandelt). Als nächstes folgten einige Videobeispiele, die noch einmal die Auslegung und Umsetzung der Regeln verdeutlichen sollte, was in meinen Augen auch eindrucksvoll gelang. Ein wichtiger Bestandteil dieses Tages war der „Scoring-Test“, der vor allem bei den Lizenzanwärtern ein gewisses Unwohlsein bereitete, da dieser ein entscheidender Prüfungsbestandteil war. So mussten bei 15 schnelllaufenden Videokurzsequenzen die verschiedenen Wettkampfsituationen richtig eingeschätzt und schnellstmöglich (meint hier: ms) in korrekte Punkte für den jeweiligen Wettkämpfer umgewandelt werden. Dies geschah mit dem neuen ScoringPad von TaekwonSoft, welches zukünftig weltweit eingeführt werden soll. Der Test erwies sich durch den enormen Zeitdruck als äußerst stressig, wie ich am eigenen Leib erfuhr. Im Anschluss an diese Einheit hieß es wieder ab in die Halle zum Üben der „Handsignals“, diesmal vor allem mit dem Schwerpunkt komplexer Situationen und Abläufe im Bereich Knockdown und Videoreplay. Zwei Stunden später und einige Erfahrungen reicher konnte auch dieser Tag erfolgreich über die Bühne gebracht werden.

A dream comes true01Der dritte Tag des Lehrgangs begann ebenso pünktlich 9:00 Uhr. Langsam machten sich die intensiven Praxiseinheiten deutlich in einigen Muskelpartien bemerkbar. Im Vergleich zu den Vortagen hielt man sich diesmal mit der theoretischen Einheit nur sehr kurz auf und so hieß es gleich nach dem Mittag für knapp 3 Stunden Praxis in der Halle. Nach kurzer Aufwärmung mit Handsignalen unter der strengen Leitung von Vice Chairman Mr. Denise, wurde diesmal großes Augenmerk auf möglichst realistische Situationen und Abläufe gelegt. So durfte jeder IR-Anwärter unter realistischen Be-dingungen mit Mitgliedern Nationalteams Austria seine Künste als Center-Referee unter Beweis stellen. IR-Kollegen coachten derweil die Nationalkader mit immer kreativer werdenden Eingebungen hinsichtlich mög-licher Wettkampfsituationen. Im Anschluss an den ausführlichen Praxisteil wurde noch einmal für den Scoring-Test am Prüfungstag geübt, diesmal mit detaillierter Auswertung vor der Gruppe – unangenehm. Immerhin konnten so immer acht Judges gleichzeitig, die schon am Vortag erprobte Reaktions-geschwindigkeit nochmal trainieren. Wie gesagt: diesmal mit dem kleinen Unterschied, der Detailauswertung jeder Einzelleistung vor versammelter Mannschaft. Zum Glück bewiesen Stev und ich hier, dass wir nicht grundlos nominiert waren. Beide konnten wir mit einer Punktzahl von 89 bei 100 möglichen Punkten überzeugen. Nach einer letzten kurzen A&Q Einheit ging es wiederum in unsere Ferienwohnung in Axams. Am Abend hieß es wie die letzten Tage auch noch einmal intensiv lernen, dennoch machte sich bei uns eine gewisse Nervosität breit die bis zum Folgetag anhalten sollte.

Am alles Entscheidenden Prüfungstag sollte sich unsere Nervosität noch einmal steigern. So bestand die Prüfung aus einem praktischen Test der Handsignals in vorgegeben Situationskomplexen sowie einem anschließendem Englisch-Interview. Weiter ging es mit dem gefürchteten „Scoringtest“, der mit immerhin 40% in die Prüfung einging sowie einem schriftlichen Test des Regelwerks in Englisch (unter Zeitdruck). Zu Beginn starteten wir in unsere Lieblingsdisziplin den „Handsignals“, beide absolvierten wir diese hervorragend, gefolgt von dem kurzen Interview zu unserer Person auf Englisch. Auch diesen Teil absolvierten wir ohne ins Straucheln zu geraten. Der wohl härtest Bestandteil sollte nun folgen: „Punktedrücken“ war angesagt. Hier mussten diesmal wieder acht Leute auf einmal zum Test antreten, (diesmal leider ohne Direktauswertung). Wir hatten beide ein gutes Gefühl in Bezug auf hohe Reaktionszeit und richtige Situationsanalyse. Dennoch wurde die Anspannung einiger Teilnehmer sehr deutlich und in der nachfolgenden Auswertung unter den Referee´s war nicht jeder Punkt klar. Das sollte uns jedoch jetzt nicht mehr davon abhalten, den letzten Teil der Prüfung zu absolvieren – wir waren gut vorbereitet und konnten einige Teile des Regelwerks im Originalwortlaut wiedergeben. Im Vergleich zu den anderen Bestandteilen machte sich hier schnell bemerkbar, dass dies wohl der leichteste Bestandteil war und durch unsere intensive Vorbereitung ohne Probleme von uns gemeistert wurde, wir waren unter den ersten der 150 Prüfungsteilnehmern welche ihren Bogen abgaben (getrieben von der Angst, die Zeit könnte vorher ablaufen). Nach Abschluss der Prüfungen ging es noch zu den Gruppenfotos und der Abschiedszeremonie bei der jeder der Teilnehmer noch sein „Graduation Certificate“ erhielt. Nachdem nun auch die letzten Hände geschüttelt wurden, war das Ende einer anstrengende Woche erreicht, dessen Resultate sich dann in etwa zwei Monaten zeigen. Zum Abschluss bleibt zu sagen, dass dies eine äußerst gelungene Woche war, die durch die Veranstalter koreanisch und geradlinig (generelle strenge Dobok-Pflicht sowie ein lautes beinahe minütl. „Yes Sir!“ zur Bestätigung), aber auch sehr gut organisiert wurde. Dafür möchten wir uns auf diesem wegen noch einmal ganz herzlich bedanken.

Text und Fotos: Sebastian Müller und Stev Brauner